Live Spacing

Ich spiele mit echten Räumen. Ich spiele mit dem Zwischenbereich von harter Architektur und Sound. Ich spiele mit den Möglichkeiten des Sounds, echte Räume zu verändern. Ich liebe das Zwielicht und ich liebe es, wie Sounds im Zwielicht von Wänden zurückgeworfen werden, wie Sounds zu leuchten beginnen, wie Sounds an der Schwerkraft rütteln. Ich liebe es, wenn mich tiefe Bässe durch Hallen, Clubs, Keller schieben, ich liebe es wenn mich Soundmassen von allen Seiten durchdringen und ich mit aufgerissenen Augen im Dunklen nach den Klängen greife.

Ich liebe es zu spacen. Ich liebe es live zu spacen.

Schaltet aus das Licht!
Seid Körper!
Leistet Widerstand!

1, 2, 4, 16, 32, 68, 92, wieviel auch immer. Schallquellen um mich herum, neben mir, über mir, unter mir. Weit weg, ganz nah. In richtigen Räumen mit richtigem Sound.

Ein Beispiel

Etwas surrt in einiger Entfernung vor mir aus dem Dunkel der Halle. Leise, klein, alleine. Es nimmt Gestalt an, wird kräftiger, plötzlich ist es ganz nah neben mir, pendelt eine Zeit lang schnell von links nach rechts, dann ober mir, wird lauter und schnellt zurück an seinen Ursprungsort. In entgegengesetzter Richtung, also hinter mir, der selbe Sound nun, aber etwas höher. Die Sounds reiben sich, es schwirrt in der Luft, sie entschwinden in die Stille der Halle, oder in das, was von außen eindringt, oder in das, was in der Halle Geräusch ist. Andere Sounds kommen dazu, spielen sich an der Wahrnehmungsgrenze ab, sind vor mir, dann hinter mir, ganz leise, ist das Sound jetzt oder Geräusch von der Straße, oder raschelt eine Jacke, dann nach ruhiger Zeit, ein Furiosum plötzlich von allen Seiten, ich inmitten einer Masse, die steht, die sich durch mich ausgebreitet hat, ein Bass, der Tiefen auf meinen Körper wirft. Und es geht noch mehr, Beats beginnen wild von unterschiedlichsten Seiten, einmal hier, dann dort, dann hinten, dann wieder hinten, dann vorne, ein Rhythmus wird gespannt mit einem ganzen Apparat, durch die Halle, von überall und ich steh mitten drin im Schlag, im Tempogewitter. Soundblöcke machen sich auf, bewegen sich heftig und immer schneller durch die Hörer, an den Wänden, am Boden, an der Decke, die nächste Schicht, es wird noch dichter, mein Körper ausgesetzt, als Ganzes hörend, beginnt sich zu bewegen, bewegt sich durch den Noise, trifft Knoten, trifft Bässe, mein Körper komponiert sich nun mit seiner Bewegung durch den Raum. Der Sound so dicht aufgestellt, dass er beginnt, die Architektur zu verändern, von was der Sound abprallt sind nicht mehr die Wände, die sie waren. Die Masse wird behauen, in Ecken geschoben, auf einen Lautsprecher zusammengedrängt, durch den Raum gejagt, angehalten – Live Spacing